12 Fragen an die Wischer-Brüder

1. Wie alt ist das Weingut?

2018 feierte die Gemeinde Nordheim ihr 1.100-jähriges Bestehen – Wein wurde hier wohl schon immer angebaut, wahrscheinlich auch auf unserer Gemarkung. Allerdings gibt es dazu keine gesicherten Aufzeichnungen, da in früheren Jahrhunderten nur über große kirchliche und adelige Güter Chronik geführt wurde.

2. Eine kurze Geschichte des Weingutes?

Heute leiten wir (Thorsten und Tobias Wischer) das Weingut. Bereits unser Urgroßvater, Josef Seufert, war Weinhändler. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat er den Grundstein für das heutige Weingut gelegt. Die ältesten Reben wurden 1972 gepflanzt von unseren Eltern Doris und Hans Wischer, die immer noch aktiv mitarbeiten.

3. Autochton oder international – welche Rebsorten liegen euch am Herzen ?

Als wichtigstes Kriterium für die Pflanzung einer Rebsorte sehen wir – unabhängig ob autochton oder international –, die optimale Eignung für den jeweiligen Standort, basierend auf Mikroklima und Weinbergsboden der Parzelle. Autochtone Sorten haben sich dabei seit Jahrhunderten behautet und so gezeigt, dass sie für uns hier in Franken bestens geeignet sind. Etwa der Silvaner, der streng genommen ein ›Österreicher‹ ist, den wir aber als echten Franken betrachten oder der seltene und wertvolle Frühburgunder.

Als besonders geeignet für unsere warmen Muschelkalböden sehen wir die Pinot-Sorten in allen Farben an: Grau- und Weißburgunder, Spätburgunder und Petit Meunier, der hier Schwarzriesling heißt.

Last but not least achten wir darauf, daß wir unseren Kunden eine ausreichende Vielfalt an Rebsorten bieten,um daraus fruchtig-aromatische, dezent-mineralische oder hochreif-konzentrierte Wein zu erzeugen.

4. Was war Euer Traumjahr als Winzer?

2012 und 2018 konnten wir kerngesunde und vollreife Trauben ernten – und das in ausreichender Menge; 2019 ebenfalls, allerding war die Erntemenge zu gering.

Allerdings zeigt sich das Können und die Sorgfalt des Winzers darin, auch in Jahren mit schwierigen Bedingungen, wie etwa die beiden letzen Jahre 2016 und 2017 Qualität über das ganze Sortiment hinweg zu erzeugen. Dazu ist eine vorausschauende und effektive Planung notwendig, z. B. beim Einsatz unserer Mitarbeiter im Weinberg. Wir investieren in Technik, im Vorjahr etwa in die Traubenannahme, um unser Lesegut schnell und schonend verarbeiten zu können.

5. Was ist für euch Terroir?

Im weiteren Sinn verstehen wir als Terroir die Summe aller Dinge, die auf den Wein einwirken: Bodenbeschaffenheit,Klima, Mikroklima, die Wasseraufnahme, geografische Lage und der Einfluss des Winzers auf die Rebe. Aber nicht jeden guten Wein, der seine Herkunft zeigt, würden wir als Terroirwein bezeichnen. So zeigen bereits unsere Qualitäts- und Kabinettweine aus Nordheim die Typizität des Muschelkalks oder die aus Obereisenheim die Charakteristik des Keupers. Im engeren Sinn meinen wir damit die wenigen Ausnahmeweine, die die genannten Kritierien in unverwechselbarer Weise zeigen, etwa unser T&T. Solche Weine bedürfen besonderer Aufmerksamkeit, sie können nur in guten Jahren entstehen.

6. Welche Fässer benutzt ihr im Keller?

Die Gärung erfolgt temperaturgeführt in Edelstahltanks. Höherwertige Rotweine und besondere Weißweine lassen wir offen auf der Maische gären. Die Reifung erfolgt in Edelstahltanks oder besonders bei Rotweinen zeitweise auch in Barriquefässern. Mit Interesse beobachten wir die Entwicklung seit einigen Jahren hin zum Ausbau in alternativen Behältnissen. Wir sehen aber derzeit für uns keinen Handlungsbedarf.

Mit unserem ›ORANGE‹ bieten wir auch ohne Ausbau in einer Amphore einen interessanten Wein mit einem vergleichbaren Charakter an.

7. Lagert ihr auch alte Weine?

Durch verbesserte Kellertechnik in den vergangenen Jahrzehnten wurde es möglich, die Oxidation zu minimieren. Der allgemeine Weingeschmack hat sich dadurch mehr und mehr zu den frischen, fruchtigen Weinen entwickelt. Auch wenn das schade ist, gereifte Weine sind nicht begehrt oder sie sind schlicht nicht bekannt. Dennoch gibt es dafür einen Nischenmarkt, der hier in Franken von einigen Spezialisten bedient wird: Hohe Säure- oder Restsüßewerte machen den Wein lange haltbar, z.B. Riesling und Ausleseprädikate. Solche Weine müssen entsprechend hochpreisig sein.

Für unseren Betrieb ist die Nachfrage zu gering, auch wenn wir für unsere hochwertigen, dichten Rotweine und unsere großen trockenen Weinweine wie den T&T ein großes Reifepotenzial sehen.

8. Bestseller eures Weingutes?

Über alle Qualitätsstufen hinweg unsere fränkischen Silvaner und im Bereich der hochwertigen trockenen Weiß- und Rotweine unsere Burgundersorten als elegante Essensbegleiter. Bei den einfachen Gutsweinen stehen fruchtbetonte Sorten wie Bacchus in der Weinkritik meist nicht hoch im Kurs. Viele unserer Kunden lieben aber gerade diese jungen, frischen und fructosegeprägten Rebsortenweine.

9. Wie lange ist das Gut im Familienbesitz/Welche Traditionen gibt es?

Wir sind mittlerweile in der 4. Generation. So wichtig Wurzeln sind – wir dürfen uns sicherlich zu Recht als alteingesessene Nordheimer Winzer betrachten – mehr noch zählt die Gegenwart und das Potenzial für die Zukunft. Wir sehen eine sehr positive Entwicklung unseres Betriebs. Das betrifft die Weinqualität, belegt durch zahlreiche Auszeichnungen, als auch durch die Nachfrage nach unseren Weinen, die ein gesundes Wachstum in den letzten Jahren ermöglichte.

Wir sind noch jung und haben für die Zukunft noch viele Ideen. Dennoch ist die nachfolgende Generation dem Weinbau bereits verbunden: Vanessa war für das Jahr 2018 und 2019 Nordheimer Weinprinzessin.

10. Wie viele Genossen habt ihr?

Keine – unser Betrieb beruht auf einem anderen Geschäftsmodell als das der Genossenschaften. Wir haben zwei Bereiche: Das ›Weingut Wischer‹ bewirtschaftet etwa 20 ha, vor allem in Nordheim und Obereisenheim. Für Anbau, Ausbau und Vermarktung sind wir alleine verantwortlich. Mit unserem zweiten Bereich, der ›Wischer Nordheim‹, vermarkten wir Grundweine von unabhängigen Winzern der umliegenden Gemeinden. Anders als Genossenschaften sind wir dabei frei in unserer Entscheidung und nehmen nur Partien, von denen wir überzeugt sind. Voraussetzung für eine nachhaltige Partnerschaft ist ein fairer Umgang miteinander.

Obwohl wir im Basissegment teilweise im Wettbewerb stehen, sehen wir die Existenz von Genossenschaften als notwendig an, da so das fränkische Weinland in seiner geografischen Größe und Bedeutung erhalten bleibt.

11. Lieblingswein / Winzer bzw. Vorbild?

Die Weinwelt ist global und sie ist vielfältig und dynamisch. Wir als Weinmacher sollten die verschiedenen Möglichkeiten entdecken. Mehr als dies vielleicht früher üblich war, steht unsere Generation daher im Gedankenaustausch mit Kollegen – im Ort, in Franken, sowie national und international. Es gibt viele Winzer und noch mehr Weine, die uns begeistern. Wir wollen diese nicht imitieren, sondern Anregungen erhalten, um zu prüfen, was davon zu uns in Franken passt und zu speziell zu unserem Weingut.

12. Eure Philosophie des Wein Machens ?

Es ist vor allem eine Haltung, die unser Handeln bestimmt:

1. Qualitätsstreben

2. Offenheit und Austausch

Wir wollen aufgeschlossen sein in allen Aspekten des Weinanbaus und der Vermarktung. Als besondere Stärke sehen wir die vertauensvolle Kommunikation zwischen uns als Brüder und ›Weinmacher‹.

3. Fachliche Qualifizierung und praktische Erfahrung

Handwerklich fundierte Ausbildung als Keller- und Winzermeister, als Weinbautechniker und Sommelier sowie praktische Erfahrung in allen Bereichen

4. Kundenorientierung

Wir machen Wein für Menschen. Wir wollen die Wünsche unserer Kunden im Auge behalten

5. Identifikation

6. Ausdauer

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